Café Kuba

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Text/il (4.Teil)

Und auf einer weiteren Ebene wirkt Sprache: Klänge, formulierte Worte, Sätze, Klangteppiche schwingen in den Kosmos, werden zurückgeworfen, treiben weiter, verdichten sich, lösen sich auf, lösen andere Laute aus. Wut ruft Wut, Freude ruft Freude, Lust ruft Lust. Gleiches zieht Gleiches an. Angst zieht Angst, Gewalt zieht Gewalt an. Um so wichtiger wird es, die Sprache genau auf ihren Inhalt, ihre Wirkung zu untersuchen.

Sprache ist eine Nährlösung für die Bilder in unseren Köpfen. Worte schaffen Bilder, Bilder schaffen Realität.

Während des Franco-Faschismus in Spanien durfte das Wort Guernica nicht ausgesprochen werden, weil das Leid von Guernica mit Picassos Bild von Guernica zum Symbol des Widerstands gegen die Faschisten geworden war. In bürgerlichen Familien dürfen die Kinder nicht “geil” oder “leck mich am Arsch” sagen. In katholischen Häusern darf nicht “Kruzifix” oder “verdammt” gesagt werden.

In unserer Geschichte, der Geschichte der Frauen-Unterdrückung, durften die Namen der Göttinnen nicht mehr ausgesprochen werden. Die Eroberer empfanden das als Provokation, später wurde die Nennung bestimmter Worte wie “Matriarchat” tabuisiert. Begriffe, die im gesellschaftlichen oder politischen Leben wichtig waren, existierten nur in der männlichen Form, damit Frauen ausgeschlossen sich ausgeschlossen wissen sollten.

Sprache ist eine Provokation. Die Tochter einer Freundin sagte im Schuhgeschäft zur älteren Verkäuferin: “Meine Mama hat gesagt, ich soll in einem Geschäft nicht Scheiße sagen. Ich sage ja auch gar nicht Scheiße, aber nur weil meine Mama gesagt hat, daß es sich nicht gehört, zu fremden Leuten Scheiße zu sagen.”

Benenne es. Sag, was du willst, sag, was du brauchst, sag, was dich schmerzt, sag, was dir fehlt. Sprich es dir vom Herzen. Gib deinen Gefühlen Worte. Unterschätze nicht die Macht des gesprochenen und auch des geschriebenen Wortes. Worte (Text) weben den Teppich (Textil) der Wirklichkeit, in der du lebst, die du beeinflußt und gestaltest.

Nochmal die Quelle: Luisa Francia: Zaubergarn. München 1989, S. 23ff

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