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Text/il
Diesen Text fand ich in einem meiner Lieblingsbücher, “Zaubergarn” von Luisa Francia. Er beginnt auf Seite 23.
Sprache, Text ist ein Gewebe: Was wir sprechen, bewirken wir auch. Wenn wir den Faden verlieren, stockt die Rede, ist uns der Hals wie zugeschnürt. Die Sprache ist ein Geflecht aus Wörtern, die wir lernen, um Empfindungen und Wahrnehmungen in zwischenmenschliche Verständlichkeit zu übersetzen. Sprache ist auch ein Code: Wörter enthüllen die wahre Energie, die im beschriebenen Zustand steckt. Die Beengung unserer Kultur gegen Körper und Seele drückt sich sehr genau in Redewendungen aus:
Jeder hat sein Kreuz zu tragen, heißt es, und wir bürden uns zuviel auf; etwas sitzt uns im Nacken, macht uns Kopfzerbrechen. Wenn wir uns beflügelt fühlen, ist alles einfach, oder wenn uns jemand den Rücken stärkt. Hand aufs Herz, kommen wir nicht besser mit etwas Fingerspitzengefühl zurecht? Wenn wir zuviel schlucken müssen, läuft uns manchmal die Galle über, da stößt uns schon mal etwas sauer auf. Das müssen wir dann eben erst verdauen. Atemberaubende Erlebnisse können ja ganz schön sein, aber wenn wir abgewürgt werden, wenn uns der Hals wie zugeschnürt ist, bleibt Halsweh sicher nicht aus. Wenn wir sauer sind, geht uns nicht nur manches auf die Nerven oder zu vieles unter die Haut, sondern auch an die Nieren. Gut, wenn das dich nicht juckt. Aber wenn uns immer jemand in den Ohren liegt, wie sollen wir da mit Leib und Seele bei der Sache sein?
Das ist nicht an den Haaren herbeigezogen. Hast du nie markerschütternde Schreie gehört? Noch nie etwas bis zur Bewusstlosigkeit getan? Mußtest du noch nie jemandem die Stirn bieten? Dann hast du es vielleicht faustdick hinter den Ohren und bist bestimmt nicht auf den Mund gefallen. Beißt man sich an dir gar die Zähne aus?
